Lernraum

Wir haben festgestellt, dass die meisten Menschen nicht besonders viel über Trauer wissen. Viele Menschen verbinden mit Trauer nur Schmerz, Tränen und lähmenden Kummer. Trauer ist aber viel mehr als das. Deshalb findest Du hier Antworten und Informationen.

Was ist Trauer?

Trauer ist die normale menschliche Reaktion auf einen Verlust. Im Prinzip ist die Trauer eine Fähigkeit des Menschen, um mit einem Verlust umzugehen. Die Art und das Ausmaß der Reaktionen, die konkreten Auswirkungen und Folgen für das Leben des Hinterbliebenen sind individuell. Trauer ist ein Prozess. Trauer braucht vor allem Zeit und Geduld.

Warum trauert man?

Trauer um Menschen und Dinge, zu denen ein sinnerfüllte Beziehung bestand hilft uns, uns mit dem Verlust auseinander zu setzen und diesen ins eigene Leben zu integrieren. Das heißt, dass ein Trauerprozess auch dann in Gang gesetzt werden kann, wenn ich meinen Job verliere oder wenn eine Beziehung beendet wird – Trauer hilft uns dabei mit dieser Veränderung umzugehen und das Leben neu auszurichten.

Was passiert mit mir?

Trauer erfasst den Menschen ganz und hat Auswirkungen auf: Denken, Fühlen, Handeln, Verhalten und den Körper (in Form von körperlichen Reaktionen, wie z.B. Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Kloß im Hals, …). Trauer ist teilweise einfach Chaos und bringt uns aus dem Gleichgewicht.

Wann ist das vorbei?

Trauer ist nie ganz vorbei, aber Trauer wandelt und verändert sich. Der Verlust gehört nun zum eigenen Leben dazu – es wird immer wieder Tage und Momente geben, an denen dieser sehr präsent ist - 2-5 Jahre intensive Beschäftigung mit dem Verlust und dessen Konsequenzen für das eigene Leben sind völlig normal; die Intensität verändert sich mit der Zeit; die Beziehung zum Verstorbenen verändert sich.

Bin ich verrückt? Wird es wieder normal?

Tatsächlich ist man ver-rückt - im Sinne von “aus der inneren Balance gebracht”. Manche Menschen erleben eine extreme Heftigkeit und Intensität, sowie eine große Vielfalt unterschiedlicher Gefühle und Reaktionen, die man so noch nie gefühlt hat. Dadurch fühlt man sich selbst fremd und deshalb haben manche Menschen eben Angst verrückt zu werden.

Das geht allerdings vorbei. Eindruck braucht Ausdruck: Trauer verläuft in Wellen. Es gibt schlechte und weniger schlechte Tage, manchmal sogar gute Momente.

Gibt es richtiges und falsches Trauern?

Nein. Es gibt kein richtig und kein falsch. Sehr hartnäckig hält sich die Annahme, dass man falsch trauert, wenn man beispielsweise nicht ordnungsgemäß weint. Das stimmt nicht. Jeder Mensch reagiert anders und braucht etwas anderes. Alles was hilft, um weiterzumachen ist gut: Was tut Dir jetzt gut? Das kann morgen übrigens schon wieder etwas anderes sein.

Kann ich etwas falsch machen?

Nein, Du kannst nichts falsch machen. Alles was Dir jetzt hilft, ist genau das Richtige für Dich an diesem Tag, um den Alltag zu bewältigen. Manche Menschen gehen ganz normal weiter zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni, weil es sie ablenkt oder weil es einfach sein muss und für manche Menschen ist das keine Option. Übrigens: Unsicherheit ist auch vollkommen normal und wenn Du Unterstützung brauchst, kannst Du dich immer an uns wenden.

Wie lange darf ich trauern?

Wenn man die aktuelle Trauerforschung zu Rate zieht, dann gibt es für Trauer kein Ende, denn es ist gesund und normal eine Verbindung zum Verstorbenen aufrecht zu erhalten. Das früher so häufig geforderte Loslassen ist überholt. Aber das beantwortet Deine Frage wahrscheinlich nur zum Teil. Der heftige allumfassende Schmerz klingt tatsächlich irgendwann ab – wann genau ist schwer zu sagen, denn es ist sehr individuell.